Was meine Arbeit ausmacht

Aktualisiert: 25. März

Meine verschiedenen Hintergründe fließen auf sehr einzigartige Art in meiner Arbeit zusammen. Lies hier, wie das in der Praxis aussieht ...



Wie ich auf meiner Website bereits beschrieben habe, bringe ich in meiner Arbeit zusammen, was sich sonst oft – mitunter unversöhnbar – gegenüber steht: Spiritualität und Wissenschaft, Schamanismus und Psychologie, Breathwork und Forschung. In diesem Post teile ich mit dir, was das in der Praxis bedeutet.


„Spinnerei statt Science, Gefühl statt Verstand? Von wegen...”

Als ich begann, meine schamanische Ausbildung zu machen, und mich mit alternativen Heilmethoden zu befassen, sah es zunächst so aus, als ob ich einen ganz anderen Weg einschlagen würde als zuvor. Spinnerei statt Science, Gefühl statt Verstand – so sahen es zumindest viele meiner ehemaligen KollegInnen aus dem akademischen Feld. Und auch ich war zunächst etwas nervös, weil es gewagt schien, all die Mühe, die ich in das Erlangen des Doktorgrads und meine akademische Ausbildung gesteckt hatte, einfach so „aus dem Fenster zu werfen“.

Ich merkte allerdings schnell, dass das Gegenteil der Fall war: all meine Erfahrungen an der Uni und in der Forschung erweisen sich als hervorragende Basis für meine Arbeit als Breathworkerin und Transformations-Begleiterin. Zugleich ergeben sich aus dieser Kombination auch wichtige Prinzipien meiner Arbeitsweise: das Zusammenbringen von Herz und Verstand, Körper und Geist; das Verstehen von Trauma und der Rolle von Körper-praktiken und Achtsamkeit für Heilung und Entwicklung; die empathische Gesprächsführung und Rolle der Begleiterin.



Herz und Verstand, Körper und Geist zusammen bringen


Als Akademikerin habe ich selbst erfahren, wie es ist, wenn Arbeit, Leben und Selbstverständnis primär um den Verstand kreisen. Der Fokus auf Rationalität und dem Denken, oft einhergehend mit einer Abwertung von Gefühl, Intuition und Körperwissen, ist zwar ein Merkmal unserer Gesellschaft als Gesamtes. Ich hatte aber den Eindruck, dass das im wissenschaftlichen Milieu bzw. wenn man sich als WissenschaftlerIn definiert, nochmal gesteigert wird. Zwar habe ich durchaus Sport und Yoga gemacht, aber insgesamt war es wirklich eher so, dass mein Körper primär das Tool war, um meinen Kopf durch die Gegend zu tragen. Entscheidungen traf ich (vermeintlich) rein auf Basis von rationalen Überlegungen, und mein Körper fiel mir oft vor allem negativ auf, weil er sich durch Erkältungs-Krankheiten, Kopfweh und Müdigkeit bemerkbar machte, und meine Produktivität bremste. Interessanterweise ist dieses vom Körper und seinen Empfindungen abgeschnitten sein auch ein Symptom von Trauma. D.h. auf gewisse Art förderte bei mir der akademische Habitus einengende Verhaltens-Muster, die schon zuvor entstanden waren.


Mit das erste, was ich auf dem schamanischen Pfad lernte, war, mich anders mit meinem Körper in Beziehung zu setzen. Ich lernte, ihn feiner wahr zu nehmen, und als Indikator oder Kompass zu begreifen, in welcher Richtung Wohlbefinden liegt. Dazu gehörte, mich wieder mit meinen „gut feelings“, also dem Bauchgefühl und der Intuition, zu verbinden und mir diese für Entscheidungen zunutze zu machen. Dazu gehörte auch, zu lernen meine eigenen energetischen und emotionalen Grenzen anzuerkennen und ernst zu nehmen, anstatt mich ständig zu übergehen und zu verausgaben. Gerade in der Breathwork durfte ich dann auch erfahren, wie wohl ich mich in meinem Körper fühlen kann, wie sehr er mir zum Zuhause werden kann, in dem ich mich sicher fühle.


Zugleich haben meine eigene Erfahrung und Befassung mit Trauma mich auch gelehrt, wie sehr unser Körper und unser Unbewusstes oft die Führung inne haben, ohne dass wir dies bewusst wahrnehmen. Unser Verstand ist in dem Sinne ein kleiner Reiter, der auf einem riesigen Elefanten sitzt, aber nicht gelernt hat, den Elefanten zu verstehen und sanft zu lenken. Hört sich nach Desaster an? Ist es auch. Dieses Bild vom Elefanten kommt übrigens von Jonathan Haidt, der in seinem Buch „Die Glückshypothese“ sehr anschaulich und inspirierend erklärt, was in unserem Verhältnis von Verstand und Körper, conscious mind und unconscious mind eigentlich schief läuft.

Die Metapher vom Elefanten und seinem Reiter zeigt aber auch, dass der Verstand durchaus eine wichtige Rolle hat. Anders als manche Menschen auf dem schamanischen Weg oder spirituellen Pfad halte ich große Stücke auf den Verstand, die Wissenschaft und das logische Denken. In meinem Verständnis geht es darum, beide, Herz und Verstand, Körper und Geist, zu kennen, in ihrem Zusammenspiel zu begreifen, und ihnen den richtigen Platz im Ensemble zuzuweisen. Und so ist es mir ein Anliegen, die Menschen, mit denen ich arbeite, rational und emotional abzuholen. Ausgehend von meiner eigenen Erfahrung und wissenschaftlichen Erkenntnissen, unterstütze ich sie dabei, mehr ins Fühlen und den Körper zu kommen und die Körperwahrnehmung zu verfeinern, und zugleich intellektuell zu begreifen, was geschieht und warum es hilfreich ist.


Trauma verstehen

Wer mit Menschen an ihrer persönlichen Entwicklung oder Heilung arbeitet, sollte sich mit Trauma auskennen. (Das gilt eigentlich auch für LehrerInnen, ÄrztInnen, und v.a. PsychologInnen, ist aber leider viel zu selten der Fall. Kaum zu glauben, aber wahr.)

Zugleich ist Trauma ein sehr weites Feld und an der Schnittstelle verschiedener Bereiche angesiedelt: Neurowissenschaften, Psychologie und Sozialwissenschaften sind alle relevant um Trauma als individuelles und kollektives Phänomen zu verstehen. Zugleich kommen die wichtigsten und innovativsten Beiträge für die Heilung von Trauma oft aus der therapeutischen Praxis, sowohl von PsychotherapeutInnen als auch Bodyworkern, ÄrztInnen und Menschen, die mit alternativen Methoden arbeiten. Dies führt aber auch zu einem wahren Potpourri an Ansätzen, Hypothesen und Methoden. Mein akademisches Training hilft mir ungemein, diese großen Mengen an Information zu sichten, einzuordnen und in mein eigenes Denken und Handeln zu integrieren.


Im Schamanismus ist Trauma einer der Dreh- und Angelpunkte von Heilarbeit, auch wenn es mitunter anders genannt wird. Meine Ausbildung zur Clarity Breathworkerin war trauma-sensibel, da eine meiner Ausbilderinnen zugleich Somatic Experiencing Practitioner ist. Auch ich schätze die Arbeit von Peter Levine, der Somatic Experiencing entwickelt hat, sehr. Seine Konzepte und Methoden zu Traumaheilung (z.B. Pendulation, Titration) haben auch jenseits von Somatic Experiencing breiten Eingang in die Traumaarbeit und verschiedene therapeutische Verfahren wie Breathwork gefunden. Ich habe mich eingehend mit der Polyvagal-Theorie und diese berücksichtigenden Therapieansätzen beschäftigt, und mich mit der Arbeit von Steven Porges, Bonnie Badenoch, Bessel Van der Kolk, Janine Fisher, Dan Siegel, und Melanie Büttner in meinem Selbststudium und Online-Kursen auseinander gesetzt. Seit Frühjahr 2021 bin ich aktives Mitglied der Arbeitsgruppe Trauma das Atemvereins Deutschland.


Für mich persönlich waren außerdem Kurse, Texte und Interviews von Ilan Stephani, Dami Charf und Gabor Maté zum Thema Trauma am prägendsten. Seit September 2021 befinde ich mich in Ausbildung im Programm “Compassionate Inquiry” von Dr. Gabor Maté und bin froh, in diesem Rahmen meine Fähigkeiten, Menschen bei ihren Prozessen zu begleiten noch erweitern zu können


Mindfulness vs. Mode


Ein klar auszumachender Trend in der Traumaforschung ist die Betonung von Körperpraktiken und Achtsamkeit[SB1] , die in den Weisheitstraditionen Asiens und Lateinamerikas einen zentralen Stellenwert für menschliche Gesundheit und Entwicklung haben. (Siehe z.B. die Arbeit von Bessel van der Kolk, Levin, Maté) Es finden sich zunehmend mehr wissenschaftliche Belege, dass Meditation, Achtsamkeit und Atemtechniken einen positiven Einfluss auf unsere mentale und körperliche Gesundheit haben. Zugleich hat gerade im Bereich Yoga und Meditation eine dermaßene Anpassung der Praktiken an gegenwärtige Logiken, Werte und Gewöhnungen statt gefunden, dass bei einigen Varianten fraglich erscheint, inwiefern sie tatsächlich zur Beruhigung des Nervensystems, dem Stärken des internen Beobachters und dem sich im Körper beheimaten beitragen. Anstatt unkritisch etwas zu übernehmen, bin ich, teils dank meiner Ausbildung als Sozialwissenschaftlerin und empirische Forscherin, in der Lage sorgfältig zu prüfen, was tatsächlich hilft, und was lediglich Mode oder Aberglaube ist. Das ist ein ständiger Prozess des offen für neues Seins, Experimentierens, Überprüfens und Anpassens (für alle SoWi Nerds: „abduktiv“, sozusagen). Dabei fange ich in der Regel bei mir selbst an: jedes neue Tool und Technik überprüfe ich zunächst in der Selbsterfahrung bevor ich es mit meinen KlientInnen teile.


Beziehungsqualität und Gesprächsführung


Während Tools und Techniken, Informationen und Methoden von Bedeutung sind, kommt der Beziehungsqualität in meiner Arbeit ein ganz besonderer Stellenwert zu. Auch dies hat eine biologische und wissenschaftlich erwiesene Basis: dank der Polyvagal-Theorie von Stephen Porges und dem Feld der interpersonellen Neurobiologie wissen wir, dass menschliche Nervensysteme sich in der Interaktions-Situation ko-regulieren. D.h. mein Nervensystem und das der KlientIn klinken sich sozusagen bei einander ein und beeinflussen sich, wir werden in diesem Sinne ein System wenn wir uns im Gespräch befinden. Das heißt wenn es mir in dieser Situation immer wieder gelingt, mich zu regulieren, zentriert und geerdet zu sein, schafft das gute Voraussetzungen, dass auch meine KlientInnen zur Ruhe kommen können. Dabei ist es wichtig, dass ich emotional mitschwingen kann, ohne die Fassung zu verlieren.

Gleichzeitig fühlt es sich für die meisten Menschen einfach gut an, wenn ihnen zugehört wird, mit offenem Ohr, voller Aufmerksamkeit, mitfühlender Haltung, und frei von Urteilen. Diese Erfahrung durfte ich schon in meiner empirischen Forschung machen. Ich habe über viele Jahre hinweg in verschiedenen kulturellen Kontexten narrative und biographische Interviews geführt. Dabei haben – mir bis dato häufig unbekannte – Menschen mir für den Zeitraum von 2-3 Stunden eine Tür zu ihrem Herz und ihrem Leben geöffnet. Nicht wenige teilten mit mir ihre schwierigsten Erfahrungen, manche sprachen zum ersten Mal seit langem oder zum ersten Mal überhaupt von traumatischen Erfahrungen. Schon damals durfte ich beobachten, wie viel sich allein dadurch bewegen kann, dass man die Möglichkeit hat, in Ruhe zu sprechen, gehalten, gehört und gespiegelt zu werden. Dieses „Raum halten“ für den Anderen ist ein zentraler Aspekt meiner Arbeit, und wie man heute weiß auch ein wichtiger Bestandteil gelingender Therapie-Begegnungen.


Dank meiner analytischen Fähigkeiten, meines im kreativen Problemlösen geschulten Denkens sowie meines psychologischen Wissens bin ich außerdem in der Lage, dir während unseres Gesprächs bestehende Muster aufzuzeigen und helfe meinen KlientInnen, sich selbst nochmal anders zu verstehen, sowie neue Aspekte in ihrer Situation und ihrem Verhalten zu entdecken. So kann ich regelmäßig beobachten, wie sich bei KlientInnen schon im Vorgespräch auf der kognitiven und emotionalen sehr viel bewegt, was dann im Anschluss mit den körperorientierten Methoden „abgeholt“ und abgerundet wird.


Auch jenseits der konkreten Gesprächs-Situation biete ich meinen KlientInnen eine verlässliche und verbindliche Arbeitsbeziehung auf Augenhöhe an, in der gegenseitige Grenzen anerkannt und gewahrt werden. Gerade für Menschen, deren frühe Beziehungen von einem Mangel geprägt waren, ist dies ein möglicher Baustein um andere Erfahrungen zu ermöglichen.


Empowerment und Freiheit


Dieses „auf Augenhöhe“ ist mir total wichtig. Mir ist vollkommen bewusst, dass ich, genauso wie meine KlientInnen, in einem andauernden Entwicklungs- und Lernprozess stecke. Permanent weist mich die Arbeit mit anderen darauf hin, wo ich selbst noch etwas heilen oder entwickeln muss. Gerade die Compassionate Inquiry Ausbildung hilft mir sehr dabei, dieses Wissen darum, dass wir alle noch auf dem Weg sind, auch zu verkörpern, und mit meinen eigenen Triggern in den Sitzungen souverän umzugehen.

Mir ist es wichtig, Menschen zu befähigen, dass sie erkennen, inwiefern sie selbst ihr Leben kreieren. Freiheit von alten Mustern und Glaubenssätzen zu erlangen ist eines der wichtigsten Ziele in der Begleitung, und ich vermittle Wissen und praktische Techniken, wie man diesen Prozess im Alltag voran treiben kann.


Für meine Arbeit ist also zentral Herz und Verstand in Balance zu bringen, in eine förderliche Beziehung zu treten, sowie trauma-informiert, achtsam, körperbezogen und erfahrungsbasiert zu arbeiten.


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